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Kritik des Klerikalismus

Man muss sich gegen den Klerikalismus wehren, wo man ihn trifft. Das ist man sich selber schuldig – und den Priestern.

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Biosphärenpark eine Chance für den Lungau

Die Mühen haben sich gelohnt. Als Bürgermeister habe ich alles daran gesetzt, diese Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Viele Informationen, Gespräche und Vorbereitungen waren notwendig, bis 2004 die erste Biosphärentagung auf Burg Finstergrün stattfinden konnte.

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Theologische Botschaften des „Jedermann“

Die bevorstehende epochale Transformation des Christentums sei im „Jedermann“ dargestellt. Diese kühne These stellte Prälat Johannes Neuhardt in einem Vortrag im Bildungshaus St. Virgil auf. Wie kann es sein, dass ein 100 Jahre altes Stück die heutige Krise des Christentums vorweggenommen hat? „Weil Hugo von Hofmannsthal ein Genie war“, sagt Johannes Neuhardt. Zudem sei „Jedermann“ wie ein Märchen: „zeitlos, aber nicht geschichtslos.“

4. August 11 Hedwig Kainberger Salzburg (SN).

 

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Theologische Botschaften des „Jedermann“

Die bevorstehende epochale Transformation des Christentums sei im „Jedermann“ dargestellt. Diese kühne These stellte Prälat Johannes Neuhardt in einem Vortrag im Bildungshaus St. Virgil auf.

Das Christentum stecke „in einem unglaublichen Traditionsabbruch“. Diese Veränderung sei so rasant und beängstigend, dass viele das nahe Ende des Christentums vorhersagten, erläutert Johannes Neuhardt. Doch eine derart tief greifende Mutation habe das Christentum „in seiner organisierten Form“ bereits drei Mal durchgemacht.Die erste sei der Zusammenbruch des Römischen Reiches gewesen. „Augustinus ist 430 mit der Todesangst gestorben, dass das Christentum nun aus und vorbei ist.“ Dieses Endzeitgefühl sei das gleiche, wie Hugo von Hofmannsthal es 1920 – im Jahr des ersten „Jedermann“ auf dem Salzburger Domplatz – gehabt habe, als im Ersten Weltkrieg eine Welt eingestürzt war. Der zweite Bruch sei im 8. Jahrhundert erfolgt, als iro-schottische Mönche, wie Virgil, das römisch dominierte Christentum neu strukturiert hätten. Der dritte Umbruch ist Johannes Neuhardt zufolge mit dem Datum 1806 festzumachen, also mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches.Mit der jetzigen „Transformationswelle“ werde das Christentum eine „völlig andere Richtung“ finden als bisher. Drei von vier Faktoren dafür würden im „Jedermann“ vermittelt. „Wohin das Christentum im 3. Jahrtausend steuert, wird im ,Jedermann‘ beantwortet“, und zwar wie folgt:Erlebnis statt Verstand: Die Lehrsätze, die Jedermann aufsage, „werden ihm aus der Hand geschlagen“. Glaube sei nicht an auswendig gelernte Sprüche gebunden, „sondern an Erfahrung von Liebe“. Der Sprung führe weg von Geboten aus Furcht und Zwang, hin zur „Liebenswürdigkeit“. Freundschaft mit Christus sei nur im Tun zu erfahren. Anders gesagt: Der christliche Glaube werde metadogmatisch, es verwandle sich vom Verstandes- und zum Erlebnisglauben. Erlösung statt Leistung: Für Jedermann sei Christsein zunächst wie eine „Leistungsgesellschaft auf religiös“, so „als könnte man den Himmel erkaufen“, schildert Johannes Neuhardt. Jedermanns Gottesbegriff sei statisch. Doch: „Gott ist ein Tätigkeitswort geworden.“ Im Christentum würden keine Leistungen gefordert, sondern „Gott liebt mich wie ich bin“. Und Gott rette ohne Vorleistung. Das Gericht bestehe nichtim Aburteilen, sondern im Aufrichten und Einrichten. Aus dem Leistungs- werde der Erlösungsglaube.Vertrauen statt Bekenntnis: Der Erlösungsglaube sei nicht eine Frage des Wissens, sondern müsse „durch eine Botschaft des Vertrauens“ vermittelt werden. „Gott wird, indem ich mich öffne.“ Und Glaube sei ein Geschenk: „Glaube bedeutet, Wurzeln schlagen auf geschenktem Grund.“

Nur ein solcher „Verwandlungsglaube“ hin zu Erlebnis, Erlösung und Vertrauen führe Jedermann zur Freiheit, sagte Johannes Neuhardt und zitierte den lutherischen Theologen Dietrich Bonhoeffer: „Auf dem Weg in die Freiheit ist der Tod das höchste Fest.“ Das Christentum sei die einzige Religion, „die dem Tod einen Sinn gibt“.Und die vierte Neuerung, die auf das Christentum zukommt? „Es wird sich feministisch mutieren“, sagt Neuhardt. Die jahrtausendelange Unterdrückung der Frau sei nicht beizubehalten. Dies allerdings komme im „Jedermann“ nicht zum Ausdruck. 

Salzburger Nachrichten, 4. August 11

 

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